
bd-Proberunden mit neuen JCB- Maschinen in Rocester
Wenn JCB zur Präsentation von Neuheiten in die Firmenzentrale im britischen Rocester einlädt, ist eine Mischung aus professionellem Spektakel und handfesten Erfahrungen im Steinbruch garantiert. Letztere unter anderem mit dem neuen Kurzheck-Kettenbagger 145 XR.

Wird man am Flughafen Birmingham in einem Land Rover mit dem Kennzeichen JCB 6 abgeholt, ist eines sofort klar: Im JCB-Headquarter wird nichts dem Zufall überlassen. Das Unternehmen wurde 1945 durch Joseph Cyril Bamford im ländlichen Uttoxeter gegründet, seit 1950 befinden sich Stammwerk und Hauptverwaltung im benachbarten Rocester. Dort werden bis heute Baggerlader und Telehandler produziert. Das ehemalige Konstruktionsbüro im ersten Obergeschoss wurde 2011 umgebaut: The story of JCB – in dieser aufwendig gestalteten Ausstellung wird der komplette Werdegang des Unternehmens multimedial dargestellt, vom ersten, gebraucht gekauften Schweißgerät über legendäre Baggerlader bis zu den aktuellen Entwicklungen. Das ist wirklich sehenswert und ein äußerst positives Beispiel dafür, wie Unternehmen wertschätzend mit ihrer Herkunft umgehen können.
Der eigentliche Anlass des Besuchs waren aber die neuesten Ergänzungen im breiten Lieferprogramm. So zeichnete sich im Theatre des VIP-Visitor-Centers aus dem Bühnennebel, begleitet von einer eindrucksvollen Licht- und Soundkulisse, die Kontur des brandneuen 145 XR ab. Ein Kurzheck-Kettenbagger der beliebten 15-t-Klasse hatte ja bislang in der X-Serie noch gefehlt. Bei einer Bodenplattenbreite von 600 mm ergibt sich bei quer gestelltem Oberwagen ein Heck-Überhang von lediglich 27 cm. Auch der vordere Schwenkradius wurde im Vergleich zu den Standardmodellen nochmals reduziert. Trotz der kompakten Abmessungen wurde eine vollwertige JCB-Command-Plus-ROPS-Kabine verbaut. Diese erfreut sich beim Bedienpersonal großer Beliebtheit, wie britische Presse-Kollegen berichten. Dort sind die X-Serie-Bagger seit 2018 auf dem Markt und bereits recht weit verbreitet.
Ortstermin in einem der hauseigenen Steinbrüche unweit des Stammwerks, die von JCB für Test- und Demozwecke genutzt werden. Das Wetter folgte dem Insel-Klischee und hatte den Steinbruch mit zähem Nebel geflutet. Es wurden weitere Produktneuheiten präsentiert, darunter die Telehandler, der Teletruk und zugehörige Assistenzsysteme. Bei einigen Maschinengattungen kamen wichtige Ausstattungsmerkmale hinzu. So ist der kompakte Elektro-Radlader 403 E jetzt auch mit einer voll verglasten Kabine lieferbar. Diese lässt sich bereits während des Batterie-Ladevorgangs vortemperieren, um den Akku-Vorrat zu schonen. Natürlich geht die Nutzung eines Heizsystems in gewissem Rahmen zu Lasten der Maschinenlaufzeit, doch erhöht der Schutz vor Wind und Regen das Wohlbefinden erheblich. Bei den großen Radladern sind ein Wiegesystem und eine Joysticklenkung demnächst bestellbare Optionen.

Nun aber der Programmpunkt, auf den ich die ganze Zeit gewartet hatte: eine Proberunde mit dem 145 XR. Die Testmaschine war natürlich typisch britisch ausgestattet: ein langer Stiel (3,0 m), ein starrer Löffel an einem Universalwechsler und ein Boxring auf dem Oberwagen. Diese umlaufenden Geländer sind auf der Insel obligatorisch, ohne sie kommt kein Bagger auf die Baustelle – noch nicht mal auf eine Messe. Das sieht zwar etwas gewöhnungsbedürftig aus, verhindert aber wirkungsvoll äußerst schmerzhafte Abstürze aus über 2 m Höhe.
Das war übrigens mein erster Kontakt mit einer Command-Plus-Kabine. Was als erstes auffällt: Es gibt immer noch richtige Drehschalter und Taster. Wichtige Grundfunktionen können also intuitiv bedient werden. Wenn man häufiger auf der Maschine sitzt, kann man Dinge wie Scheibenwischer, Lüfter oder Radio quasi blind betätigen. Seit Neuestem gibt es auch ein hübsches 10-Zoll-Touchdisplay, auf dem das Bild der optionalen 360-Grad-Kamera dargestellt wird. Zusätzlich lassen sich hier zahlreiche Einstellungen vornehmen, so können beispielsweise die Knöpfe auf den Joysticks je nach Vorlieben belegt und abgespeichert werden. Auch drei zentrale Taster auf der rechten Konsole kann man an die eigenen Gewohnheiten anpassen. Zudem kann der Eigentümer den Zugang zu bestimmten Konfigurationen für einzelne Anwender beschränken, und all das geschieht vergleichsweise intuitiv ohne Servicetechniker oder Laptop.
Der Motorstart erfolgt ohne Schlüssel über einen Taster nach Eingabe eines Codes. Der JCB-Dieselmax-Motor Stufe V hält sich akustisch sehr stark zurück, und die angegebenen 68 dB(A) bei geschlossener Tür scheinen realistisch. Der niedrige Geräuschpegel dürfte auch mit der reduzierten Nenndrehzahl von 1.700 U/min zusammenhängen. Als Ü-50-Bediener spürt man bisweilen den Impuls, den Drehzahlregler zu überprüfen, ob er wirklich auf Max eingestellt ist. Eine obsolet gewordene Angewohnheit, die es dringend abzulegen gilt, denn Leistung ist auch bei einem derart geringen Drehzahl- und Geräuschniveau reichlich vorhanden.
Die Miete aus gebrochenem Schotter 0/45 hat der 145 XR jedenfalls problemlos erklommen, dann konnte es auch schon in die Vollen gehen. Bei 180-Grad-Schwenks mit vollem Löffel gab er sich ausgesprochen agil, aber auch auf feinere Steuerimpulse reagierte er sehr präzise. Die hydraulische Vorsteuerung erfordert nur sehr geringe Bedienkräfte, gleichzeitig hat man jederzeit das Gefühl der vollen Kontrolle. Beim Planum-Ziehen ist der lange Löffelstiel natürlich eine feine Sache, für den Einsatz mit meinen hochgeschätzten Tiltrotator würde ich jedoch eine etwas kürzere Variante wählen. Sollte ich mir einen 145 XR für den Eigenbedarf konfigurieren, würde ich bei der Bestellung auf jeden Fall auch das Schild und den Verstellausleger ankreuzen. Die Verstellung erfolgt über einen stehenden Zylinder am Grundausleger und ist somit vor Beschädigungen weitestgehend geschützt.
Dann stand da, etwas am Rande, noch das Flaggschiff der JCB-Baggerflotte: Der 370 XLC war ja gerade erst im Frühjahr vorgestellt worden. Dieser 40-t-Bagger ist natürlich nicht dafür gebaut worden, untätig im Nebel herumzustehen – also flugs die Chance genutzt, eine schnelle Runde zu drehen. Auch beim 370 X wird man von der neuen JCB-UX-Bedienoberfläche mit dem 10-Zoll-Touchdisplay empfangen. Der Druck auf den Startknopf erweckte hier allerdings einen Sechszylinder-Cummins-Motor der Stufe V mit 8,9 l Hubraum zum Leben. Hier fiel ebenfalls sofort auf, wie erstaunlich ruhig es in der Kabine ist, und das bei voll aufgedrehtem Drehzahlregler.
Bei starkem Beschleunigen und Abbremsen der Schwenkbewegung nimmt man tatsächlich eher die Geräusche des Schwenkgetriebes wahr, da der Dieselmotor akustisch in den Hintergrund tritt. Durch einen Blick ins Datenblatt lässt sich das erklären: Der Cummins L9 dreht auch im 370 XLC bis maximal 1.700 U/min und entfaltet dabei kernige 1.526 Nm. Darauf ist das gesamte Hydrauliksystem mit Kawasaki-Pumpe und KYB-Steuerblock abgestimmt, was gleichzeitig für einen moderaten Kraftstoffverbrauch sorgt.
Klar ist der 370 XLC schon aufgrund der Massenträgheit nicht ganz so spritzig wie sein kleinerer Bruder unterwegs, für einen 40-Tonner jedoch legt er ordentlich los. Im klebrigen Lehm-/Felsgemisch erzielte der Bagger übervolle Löffel, die ihn jedoch zu keiner Zeit aus dem Gleichgewicht gebracht haben.
Insgesamt hat sich bei JCB in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Die Bagger der auslaufenden JS-Serie konnten hierzulande nie so recht eine Fangemeinde aufbauen. Zudem waren sie offenbar noch unter der Vorgabe designt: nur rund ist gut. Die neuen Maschinen der X-Serie folgen einer ganz anderen Formensprache. Klare Linien, Schrägen und Flächen ergeben ein stimmiges Gesamtbild mit hohem Wiedererkennungsfaktor. Auch die Kabinen sind ein Ort, an dem man die ein oder andere Schicht gerne verbringt. Wenn also die X-Bagger bei den Händlern auftauchen: einfach mal einen ausprobieren.