
Tobroco-Giant mit ambitionierter Expansionsstrategie
Der niederländische Hersteller von kompakten Radladern Tobroco-Giant hat unlängst zur Leistungsschau geladen. Über 20.000 Gäste an vier Tagen waren beeindruckt von der Produktvielfalt und der modernen Fertigung – sowie von der Konsequenz, mit der Firmengründer Toine Brock seine ehrgeizige Strategie umsetzt.

Das Erste, was einem ins Auge fällt, sobald man von der Autobahn abfährt und in die Gemeinde Oisterwijk, gelegen zwischen Tilburg und ´s-Hertogenbosch abbiegt, ist eine Windmühle – was auch sonst. Das bedient exakt die Klischees des deutschen Besuchers einer Kleinstadt in Noord-Brabant. Eher weniger würde man hier den Sitz eines weltweit tätigen Maschinenbau-Unternehmens vermuten. Doch genau in dieser Liga spielt die 1996 von Toine Brock gegründete Firma Tobroco-Giant mittlerweile mit.
Dabei wurden ursprünglich im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb Gerätschaften für Ackerbau und Viehzucht gefertigt – übrigens eine interessante Parallele zu den Gründungs-Szenarien diverser Konzerne, die heute den Weltmarkt für Baumaschinen dominieren. Der Wunsch eines Bekannten nach einem Hoflader sollte die junge Metallbau-Firma dann Anfang der 2000er-Jahre in eine völlig neue Richtung lenken. Dass der Prototyp beim ersten Startversuch in Flammen aufging, schreibt der Inhaber und CEO der Tobroco-Gruppe heute mit verschmitztem Lächeln seiner einst technischen Unbekümmertheit zu, er sei ja schließlich ein Schweißer.

Wie er mit dieser Misere umging, scheint charakteristisch für den Unternehmer Toine Brock. Zwar wurden die rauchenden Trümmer im Schrott-Container entsorgt, nicht jedoch das Projekt eines knickgelenkten Kompaktladers. Für seinen Durchhaltewillen und den Wunsch nach Wachstum gibt es heute zwei schlagkräftige Beweise: Zum einen existiert noch ein Lader der Nullserie mit knapp 18.000 Betriebsstunden, zum anderen wird für 2024 die Zahl von 5.000 verkauften Ladern angepeilt. Dabei befindet sich die Produktion ausschließlich in den Niederlanden, unter Verwendung von Stahlbaukomponenten, die aus einer eigenen Fabrik in Ungarn zugeliefert werden.
Gegen den allseits bekannten Fachkräftemangel hat man bei Tobroco-Giant ganz eigene Maßnahmen ergriffen: Da die Produktion mit einheimischem Personal schon lange nicht mehr aufrechterhalten werden kann, wirbt man gezielt ausländische Mitarbeiter an. Was einer längeren Verweildauer im Unternehmen jedoch oft im Wege stand, war die prekäre Wohnsituation. Als es sich ergab, dass angrenzend zur Produktionshalle die Räumlichkeiten eines Hotels zum Verkauf standen, griff man zu und verwandelte sie in ansprechende Einzelunterkünfte. Seit man diese den neuen Mitarbeitern zur Verfügung stellt, hat auch die Fluktuation spürbar abgenommen. Um die Verständigung zu erleichtern, werden im Unternehmen Sprachkurse abgehalten, was auch den betrieblichen Abläufen und der Sicherheit zuträglich ist.
Während man sich beim Vertrieb der Maschinen generell auf die Zusammenarbeit mit Händlern stützt, gibt es für die USA in Cedar Falls, Iowa, ein eigenes Vertriebsbüro. Zudem bestehen mit verschiedenen Baumaschinen-Herstellern Kooperationen, und so ergänzen die Giant-Lader die Produktlinien von Kubota, CNH und Develon.
Vor Ort in Oisterwijk gab es einen Ausblick auf kommende Ergänzungen der Lader-Baureihe. Bereits zum Anfassen und Probesitzen standen Prototypen der neuen Modelle G 2400 und G 2550, mit frischem Design und geändertem Antriebskonzept. Statt herkömmlicher Achsen werden hydraulische Radnaben-Motoren verbaut, was eine deutlich flexiblere Anordnung der Komponenten ermöglicht. Dadurch lassen sich ein niedriger Schwerpunkt sowie eine günstigere Gewichtsverteilung und somit eine verbesserte Hublast erzielen. Auch der Fahrerplatz wird in den neuen Modellen eine Aufwertung erfahren, die Bedienhebel schwingen jetzt gemeinsam mit dem Sitz. Ebenso wurden die Rundumsicht und die Fuß- und Beinfreiheit verbessert. Verfügbar sollen beide Maschinen Ende 2025 sein.
Das Angebot an batterie-elektrischen Ladern soll auch noch einmal deutlich erweitert werden. Für den bewährten G 2200 E wird es künftig ein Teleskop-Hubgerüst geben, womit er eine maximale Hubhöhe von 3,40 m erreichen wird. Noch im Konzeptstadium befindet sich der kleine G 1500 E (1,5 t Betriebsgewicht), gleiches gilt für den akku-betriebenen Teleskoplader GT 5048 E (4,80 m Hubhöhe). Besonders sinnvoll erscheint ein Elektroantrieb bei den antriebsgelenkten Mini-Kompaktladern, da hier der Bediener lediglich auf einem Podest mitfährt und dadurch den Lärm- und Abgas-Emissionen besonders stark ausgesetzt ist. Der GE 900 E (Radversion) und der GS 950 TE (Kette) entsprechen ansonsten weitgehend ihren Gegenstücken mit Verbrennungsmotor. Bei einem Betriebsgewicht um eine Tonne können sie mit einer Jungheinrich-LFP-Batterie mit bis zu 23,3 kWh ausgestattet werden, was locker für einen ganzen Arbeitstag reichen soll. Der Produktionsstart ist für Januar 2025 vorgesehen.
Ebenfalls sehr konkrete Pläne gibt es für den Einstieg in ein völlig neues Marktsegment: knickgelenkte Rad-Dumper. Die jeweilige Nutzlast soll bei 1,0, 1,5 und 3,0 t liegen, später soll noch ein Modell mit 9,0 t dazu kommen. Neben der Standard-Frontkipp-Mulde will man auch hochkipp- und schwenkbare Versionen anbieten. Natürlich wissen die Niederländer, dass es sich bei kompakten Baumaschinen um einen umkämpften und preisbewussten Markt handelt. Den Ansatzpunkt zum Markterfolg sieht man daher auch in der Nähe zum Kunden und im Wissen um dessen Bedürfnisse. Das verdeutlicht beim Rundgang durch das 2022 eröffnete Experience-Center allein schon die Fülle an verschiedenen Anbaugeräten, die auch Fachleuten Respekt abnötigt. Teilweise trifft man auf Gerätschaften, deren Zweck sich auf den ersten Blick gar nicht erschließt und der Erläuterung bedarf. Den Kunden zuhören: Diesen Leitspruch scheint man tatsächlich sehr ernst zu nehmen, denn anders ist die Zahl von 650 unterschiedlichen, bereits realisierten Anbaugeräten kaum zu erklären. Und sollte hier für einen speziellen Einsatzfall immer noch nichts dabei sein, schreckt man auch vor einzelnen Sonderlösungen nicht zurück.
Bei der Entwicklung in jüngster Vergangenheit nimmt man es Toine Brock sofort ab, dass hinter dem Ziel, im Jahr 2030 eine Produktionskapazität von jährlich 10.000 Ladern zu erreichen, ein überaus konkreter Plan steht. Gerade erst konnte der 50.000ste Lader an einen Händler aus der Schweiz übergeben werden. Und die nächste Generation der Familie Brock wird bereits in die Unternehmensleitung eingebunden oder steht kurz davor.
Dass Hersteller von kompakten Baumaschinen es für sinnvoll erachten, ihr Vertriebsprogramm durch handgeführte Verdichtungsgeräte zu ergänzen, ist nicht ungewöhnlich. Tobroco-Giant hat im Jahr 2021 gleich einen kompletten Hersteller übernommen. Die Samac-Produkte hatten wohl eher regionale Bekanntheit, und es gab eine gewisse Stagnation, was die Weiterentwicklung betrifft. Inzwischen hat man in Design und Technik investiert und die Produktion jüngst nach Oisterwijk geholt. Hier werden ab sofort Stampfer und Rüttelplatten von 70 bis 500 kg produziert, darunter auch diverse Geräte mit batterie-elektrischem Antrieb.
Übrigens: Wer den Produktnamen Giant angesichts der überschaubaren Größe der Maschinen für unangemessen hält sei darauf hingewiesen, dass es sich um ein Kunstwort aus Giantic Ant (englisch für riesige Ameise) handelt. Deren spezielle Fähigkeiten beim Lösen von anspruchsvollen Transport- und Bauaufgaben ist hinlänglich bekannt. Das im Logo verwendete Exemplar schaut zwar etwas grimmig drein, den nötigen Biss hat es aber auf jeden Fall.